Digitalisierung

... transformierst Du schon oder menschelst Du noch?

Nichts ist so beständig, wie die Veränderung… solche und ähnliche Schlagworte kennen wir alle. Doch was ist, wenn sich auf einmal scheinbar alles verändert?

Und natürlich gibt es wieder ein schönes neues Wort dafür, wenn wir Gefahr laufen aus den Bahnen geworfen zu werden… Disruption… Da suchen wir wieder nach der Antwort auf alles, das Universum und …eben 42… wenn wir uns an den Film „The Hitchhikers Guide To The Galaxy“ erinnern…

Doch gab es dies nicht schon immer? Entwicklung war nie so rasant, wie im Digitalzeitalter, scheinbar! Scheinbar, weil wir es heute im Vergleich mit der zeitlichen Spanne früherer Entwicklungen vergleichen. Scheinbar, weil wir vor 200 Jahren bei der Erfindung der neuen Mobilität -Automobil- doch bestimmt genauso empfunden haben. Die Menschen, die 20 Jahre nach dem ersten Automobil noch auf Pferden saßen, hatten scheinbar den Anschluss verpasst. Doch genauer betrachtet, haben sie wahrscheinlich erst nach 19 Jahren von der Erfindung gehört. Heute lesen wir im Sekundentakt was auf der ganzen Welt passiert, das ist das Neue und Disruptive daran. Nicht die Veränderung an sich.

Neue Technik – Fluch und Segen

Smartphone und Tablets sind allgegenwärtig. Die Kommunikation digital und unmittelbar, genau wie die Erwartung der Antwort auf Nachrichten unmittelbar lautet.

Trotzdem treffen sich Menschen noch immer analog zum Karten spielen, feiern mit 1Mio Silvester am Brandenburger Tor, sitzen gemeinsam beim Grillen oder schreien sich beim Fußball zu 1000en die Seele aus dem Leib im Stadion.

Als soziales Wesen sind wir auf Nähe und Kommunikation, evolutionsbedingt programmiert. Auch wenn sich in der Art, Menge und Geschwindigkeit der Kommunikation viel ändert, würden wir ohne persönlichen Kontakt vereinsamen und krank werden.

Ich denke Psychiater singen schon heute ein Lied auf die neuen Leidensbilder, die es in Zukunft zu behandeln gilt.

Digitalisierung ist aber bereits Teil unserer Gesellschaft und wird sich exponentiell weiter entwickeln und wir mit. Kommunikation wird virtueller, mobiler und noch schneller, nicht zuletzt weil AI einen Teil davon übernehmen kann und wird.

Daher lautet meine These, Geschwindigkeit ist wichtig aber nicht alles. Nicht jede Entwicklung passt zu jedem Unternehmen, Dienstleister, Behörde oder für jedes Team gleichermaßen. Nicht jeder Kunde und jeder Mitarbeiter möchte immer alles digital, agil und virtuell.

Kulturwandel braucht mehr als Digital

Auch in Zukunft wollen Menschen sich sehen, persönlich sprechen, brauchen Nähe und gemeinsames Erleben. Kultur entwickelt sich nicht in Minuten, sondern in Generationen. Es ist ein Prozess von Handlungsänderungen und neuen Methoden, keine Entscheidung eines Einzelnen, ohne Sympathisanten und Nachahmer, neudeutsch Follower. Nicht jeder Aktionismus wird zum Trend oder zur allgemeinen Gewohnheit. Gewohnheiten müssen viele ergreifen, erst dann kann es Teil einer Kultur werden. Sie wird überliefert, weitergegeben und ist fest mit Werten verbunden. Ohne nun die Bibel und deren Gebote zu zitieren, so sind diese zum großen Teil doch recht zeitlos. Denn ich hoffe, töten sollst du auch in 1000 Jahren nicht!

Trotzdem müssen wir uns nicht nur auf den Kulturwandel einstellen, sondern diesen aktiv begleiten, auch im Unternehmen. Vor allem im Unternehmen…was heißt, unbedingt als Mensch begleiten, in allen sozialen Gruppen die wir teilen. Nur was authentisch ist, wird Bestand haben. Aktionistisches ist meist schnell wieder verschwunden.

Daher brauchen wir Mut und Spaß am Neuen, uns darauf einzulassen und für Führungskräfte heißt dies allemal pro aktiv zu ermuntern. Den Jungen endlich vertrauensvoll Felder zu überlassen, die sie schneller in Ihr Leben integrieren, als Menschen mit einer Sozialisierung aus den 70er und 80ern. Sie stehlen den heutigen Führungskräften nicht die Kompetenzen, sie addieren neue dem Unternehmen hinzu. Richtig gefördert und gefordert entstehen Skills, die Teams von morgen dringend benötigen.

Das heißt aber auch, den Wissensvermittlungs-, ja Erziehungsauftrag der älteren in die jüngere Generation nicht abzuschaffen, sondern in gesund gemixten Teams zu forcieren. Was sich in der Vergangenheit 100tausend mal bewährt hat, muss morgen nicht gleich auf den Müll. Die allseits bekannte Nuss Nougat Creme schmeckt sicher morgen auch noch (wenn vielleicht auch endlich mal ohne Palmöl). Familien respektive Teams bleiben die Keimzelle für nachhaltige (unternehmens-)kulturelle Veränderungen und Teams brauchen Führung resp. Leadership, formell und informell.

„Alte“ Ideen mit neuem Leben erwecken

Vertrauen und Mut heißen die neuen alten „Buzz“ Worte in der Führung

  • Vertrauen, das ein Team mehr als die Addition der Teilnehmer ist
  • Vertrauen und den Glauben daran, das Menschen in der Organisation erst einmal das Gute und Sinnvolle vorantreiben und nicht nur den eigenen Vorteil suchen
  • Vertrauen, in die Zuversicht, dass auch jenseits der 50 Leistung erbracht wird die wertvoll für alle Organisationen ist, nicht nur im Vorstand
  • Vertrauen, das neue junge Generationen neue Wege finden, die alle weiterbringen
  • Vertrauen, dass auch ohne 100%ige Kontrolle nicht gleich alles zusammen bricht
  • Mut, Fehler zu machen und offen damit umzugehen, für alle, 100% gibt es nicht
  • Mut, nicht jede Kuh durchs Dorf zu treiben, also nicht jede vermeintliche Neuerung unbedingt zu begleiten, Kunde um jeden Preis nicht Aktionismus um jeden Preis
  • Mut, Teams zu mischen, mehr von jung und alt, egal ob über- oder unterstellt
  • Mut, konsequent Entscheidungen zu treffen
  • Mut, voran zu gehen und gehen zu lassen, neue Wege auszuprobieren

Nicht Neues?…

Dann ist ja die unentspannte Diskussion um den „Anschluss verpassen“ nicht Ihre…!

In diesem Sinne bleiben Sie disruptiv, agil und erfolgreich.

Ich freue mich auf spannende Kommentare.

Mike Hennig
Berater / Executive-Partner

Dieser Blog-Beitrag wurde am 13. Mai 2019 veröffentlicht.